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Weg mit dem Kram

 

 

Arnau / Арнау St. Katharinenkirche zu Arnau /

 Kuratorium Arnau

Russische Fresken in Gefahr
Weg mit dem alten Kram
Von Kerstin Holm, Moskau

Man hört förmlich das Rauschen der Wolken und das Schmettern der Gerichtsposaunen: die HimmelfahrtKein Schutz für Russlands älteste Fresken: Was gerade in der Klosterkirche von Pskow passiert, ist ein Fiasko. Restauratoren werden dort nur noch als Gäste geduldet.

Russlands älteste Fresken, die Restauratoren in der Mariä-Geburtskathedrale des Snetogorski-Klosters von Pskow aufdeckten, sind nach der plötzlichen Übereignung des Gotteshauses an die dort eingezogene Nonnengemeinde in akuter Gefahr. Die um 1313, zwei Jahre nach dem Kirchenbau, entstandenen Wandmalereien haben einen Brand im 16. Jahrhundert und spätere Übertünchungen überstanden. Sie gelten, da die hundert Jahre älteren Fresken des nahe gelegenen Miroschski-Klosters noch byzantinisch sind, als frühestes Denkmal der Pskower Sakralkunst.

Dargestellt ist neben alttestamentarischen Propheten und Mariä Geburt die Gottesmutter, wie sie mit der Hand auf den thronenden Christus deutet, der den neuen Bund mit Gott vergegenwärtigt. Des Weiteren gibt es eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Auf ihr sieht man die Gerechten im Paradies, darunter den guten Schächer, während gegenüber Sektengründer wie Arian und Nestor und christenfeindliche Herrscher wie Julian Apostata im Höllenfeuer leiden. Über ihnen kommt, den kleinen Astralkörper der Judasseele im Arm, Satan auf einem doppelköpfigen Ungeheuer angeritten. Für russische Kunstenthusiasten ist das Werk „unsere Scrovegni-Kapelle“.

Auch das Fresko des Pfingstwunders gehört zum Bilderschatz der „Scrovegni-Kapelle“ von Pskow
Auch das Fresko des Pfingstwunders gehört zum Bilderschatz der „Scrovegni-Kapelle“ von Pskow

Fresken ohne rechtlichen Status und Schutz

Die Kathedrale gehörte bis jetzt zur Pskower Museumsverwaltung. An der Freilegung und Fixierung der Farbschichten, deren empfindlichste Teile schon verlorengegangen sind, arbeiten Restauratoren seit 1909. Doch vor zwei Jahren trat das von Kunsthistorikern heftig kritisierte Gesetz in Kraft, wonach Gebäude mit sakraler Bestimmung religiösen Gemeinden zu übereignen sind. Nach wiederholten Anträgen der Klosterfrauen, unter deren Regie das Gelände eifrig ausgebaut wird, unterzeichnete der Museumsdirektor jetzt ein Abkommen mit der Liegenschaftsbehörde, das die Kirche den Nonnen zuspricht.

Das Jüngste Gericht, überwacht von einem feurigen Seraph
Das Jüngste Gericht, überwacht von einem feurigen Seraph

Die Restauratoren, die gerade die Dokumentation der Fresken vollenden und danach die Sicherung der Fresken in Angriff nehmen wollten, wurden nicht konsultiert. Sie sind von ihrer Aufsichtspflicht entbunden. Da in den Dokumenten nur von der Immobilie, nicht von den Wandmalereien die Rede ist, sind diese jetzt ohne rechtlichen Status und Schutz.

Ohne Ikonenstarre: Die Aufweckung des Lazarus
Ohne Ikonenstarre: Die Aufweckung des Lazarus

Die Pflege der wenigen erhaltenen altrussischen Kulturdenkmäler leidet nicht zuletzt unter dem politischen Machtstreben und Immobilienhunger der orthodoxen Kirche. Mit den kulturellen Unterhaltspflichten, die der Staat abzuwälzen versucht, will die Kirche sich nicht belasten. Der für Pskow zuständige Metropolit Jewsej und die Snetogorsker Äbtissin Ljudmila erklärten mehrfach, das „alte Zeug“ an den Wänden der Geburtskathedrale solle man am besten einfach überstreichen.
 

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Quelle / Источник:
Frankfurter Allgemeine, Aktuell - Feuilleton - Kunst, 09.08.2012
www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/russische-fresken-in-gefahr-we
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Leserberief
zum Artikel Kerstin Holm, Weg mit dem alten Kram“,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 184, 09.08.2012, S. 32:

Die Befürchtungen maßgeblicher Kunsthistoriker und Experten hinsichtlich der Haltung der Russisch Orthodoxen Kirche (ROK) gegenüber den jüngst übernommenen Immobilien scheinen sich leider immer wieder auf das Schlimmste zu bestätigen. Zwar hat die ROK einen großen Magen, aber sie nimmt mehr als sie verdauen kann. Mit ihrem Immobilienbesitz steht sie in Russland nunmehr an zweiter Stelle. Ein besonders krasser Parallelfall zur Mariä-Geburtskathedrale im Snetogorski-Kloster ist die St. Katharinenkirche in Arnau (Marijno) unmittelbar am östlichen Stadtrand von Königsberg. Als zweitälteste Kirche des historischen Ordensgebietes einschließlich des Baltikums handelt es sich dabei um ein zentrales Zeugnis der Ordenskultur mit einem in Europa einmaligen, an die Darmstädte Handschrift angelehnten Heilsspiegelzyklus. Die Kirche hat den Krieg unbeschadet überstanden, wurde jedoch nach 1945 durch die Zeitumstände zu einer Halbruine herabgewürdigt.

Als sie 1992 abgerissen werden sollte, konstituierte sich in Deutschland das Kuratorium Arnau e.V.“, das nach langen Kämpfen den Denkmalschutz für die Kirche durchsetzen konnte. Auf der Grundlage vertraglicher Vereinbarungen mit den russischen Behörden rekonstruierte das Kuratorium die Kirche und sorgte für die Sicherung der Fresken, von denen etwa 40 % noch zu retten sind. Insgesamt wurden dafür von Deutschland aus mehr als 235.000,00 € aufgewendet. 2011 wurde die Kirche unter Bruch aller Verträge der ROK übereignet, obgleich die Evangelische Propstei in Königsberg einen Antrag gestellt hatte und ihr die Übereignung im Sinne des Gesetzes eigentlich zugestanden hätte. Ohne Abstimmung mit dem Kuratorium beauftragte die ROK zwar eine polnische Firma mit der Sicherung der Kirche, aber das bisherige Vorgehen deutet darauf hin, dass man auf russischer Seite zum Nachteil der Fresken nur Interesse an der Kirche als Sakralgebäude hat. So hat man im Inneren Maßnahmen getroffen, die die Fresken weiter in Mitleidenschaft gezogen haben. Die vom Kuratorium bereits begonnene Fixierung der Fresken wurde nicht fortgesetzt. Die Richtung der russischen Interessen geht daraus hervor, dass man ab April 2012 damit begonnen hat, auf dem alten Friedhof direkt neben der Kirche ein großes Verwaltungsgebäude zu errichten und dabei die Gebeine der Bestatteten pietätlos um die Baugrube verstreut hat. Und das ohne offizielle Baugenehmigung und unter Verletzung der Denkmalschutzzone.

Es ist zu hoffen, daß der vom Kuratorium initiierte Druck russischer und internationaler Institutionen auf die ROK zur Rettung der Arnauer Fresken beiträgt.

Dr. Walter T. Rix, Kiel
Kuratorium Arnau e.V.
13.08.2012
 

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Quelle / Источник:
Dr. Walter T. Rix, Kuratorium Arnau e.V., Kronsbek 10, 24214 Noer-Lindhöft
Tel.: 2998038, Fax: 04346-601483, E-Mail: waltertorsten@gmail.com

 

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